Die wahre Geschichte der Boheme

„Es ist ein herrliches und entsetzliches Leben, das seine Sieger und Märtyrer hat.”
(Henri Murger – franz. Schriftsteller - 1822-1861)

La BohemeWer heutzutage von „Boheme“ spricht, meint meist die Verhaltensweisen von Intellektuellen mit vorwiegend künstlerischen Aktivitäten. Wer von der Boheme spricht, hat aber auch schnell einige mehr oder weniger treffende Bilder im Kopf: Paris, das Moulin Rouge, Absinth, Künstler.

Tatsächlich wuchs die ursprüngliche Boheme wohl schon viel früher heran. Denn der Namen leitet sich von dem französische "Bohèmien" ab, was soviel wie „Böhme“ - sprich in diesem Zusammenhang: „Zigeuner“ - heißt.
In den dunklen, verborgenen Gassen der Großstadt wirkten sie. Zuerst unbemerkt, dann offen – schließlich verfolgt und bekämpft. Das „fahrende Volk“: Gaukler, Narren, Zauberer und Vertreter noch so manch anderer „Kunst“. Sie lebten ein ungebundenes Leben - weit ab von den bürgerlichen Sitten und Ordnungen.

Diese „Freiheit“ war es wohl, die Mitte des 19. Jahrhunderts im Pariser Quartier Latin die Schicht der freigeistigen, antibürgerlichen Schriftsteller, Maler, Studenten und Künstler bewegte. Die neue – die heute noch bekannte – Boheme war geboren.


Berühmte Mitglieder waren Henri de Toulouse-Lautrec, Vincent van Gogh, Paul Gaugin, Edouard Manet. Das „Moulin Rouge“ war der Tempel der Boheme; der Absinth ihr Getränk wie Kreativ- und Energiequelle zugleich.
Ihr Leben schilderte der Schriftsteller Henri Murger in seinem "Les scènes de la vie de Bohème" (1848). Puccini bezog sich wiederum auf Murger und schrieb die heute noch weltberühmte Oper „La Boheme“. In Deutschland wurden München und Berlin kurz darauf zu freigeistigen Zentren.
Mit den Künstlern ging auch die Boheme des 19. Jahrhunderts unter – sie versank in den Analen der Geschichte. Eine Episode; eine Fußnote für viele – doch die Idee, die Freigeistigkeit, die ungezügelte Kreativität der Bohemier lebte verborgen weiter. Auch später noch outeten sich immer wieder Künstlergröße wie z.B. Oscar Wilde.

Die Boheme lebt. Nicht so exzessiv, nicht so schrill, aber ebenso kreativ und frei im Kopf.